*Gismo*


Meine Geschichte mit Gismo war immer geprägt davon, ihn nicht zu überfordern.

Er gehört zu der Sorte Pferd, die es wohl nicht immer gut hatten und seine Strategie damit umzugehen ist, zu versuchen Alles richtig zu machen , damit er so schnell wie möglich wieder in Ruhe gelassen wird.

Es viel ihm sehr schwer, sich im Zusammensein mit Menschen zu entspannen.

Nein, eigentlich viel es ihm generell schwer, sich zu entspannen.

Auch im Verhalten in der Herde konnte ich beobachten, dass er schnell die Fassung verlor, oftmals über Kleinigkeiten völlig aufgelöst war und sich auch schwer wieder beruhigen konnte.

Mein Zusammensein mit ihm war oftmals für mich nicht einfach, weil es sehr schwer war, ihn „aus der Reserve“ zu locken. Mein Angebot an ihn, sich frei zu bewegen und sich zu zeigen, wurde von ihm meistens als Übergriff wahrgenommen und seine Lösung war, den Kopf zu senken, die Ohren auf die Seite zu drehen und sich gar nicht zu bewegen.

Mehrere Monate war ein „Arbeiten“ am Viereck aus diesem Grund mit ihm einfach nicht möglich.

Ich nahm ihn aus der Herde, führte ihn ins Viereck und dort blieb er apathisch an der Stelle stehen, an der ich ihn freigelassen hatte.

Egal, ob ich vor ihm herumlief, ihn versuchte zu motivieren.. egal, ob ich ihm Futter anbot, oder ein 2. Pferd im Viereck war und motiviert war, etwas zu tun.

Nur eine Gerte konnte ihn in Bewegung bringen. Allerdings keine positive Form von Bewegung. Er verspannte sich sofort und lief ängstlich durch die Gegend, darauf wartend, endlich wieder in Ruhe gelassen zu werden. Er kam auch nie von sich aus her.

Ich hatte immer das Gefühl, er wäre gerne in Kontakt, aber aus irgendeinem Grund, war ihm das nicht möglich.

Er ließ Alles über sich ergehen. Hatte keine besondere Freunde an jeglichen Tätigkeiten.

Ich hätte Einiges von ihm verlangen können, weil seiner Strategie nach, wollte er versuchen Alles richtig zu machen, um schnell den Fängen von Druck entgehen zu können.

Alles, was ich ihm anbot, schien ihn unter Druck zu setzen.

Es tat mir unheimlich weh zu fühlen, wie es ihm geht.

Ich konnte dieses stolze, kräftige, sanftmütige, sensible, ausdruckstarke Pferd in ihm sehen. Nur er schien dieses Pferd nicht (mehr) zu sein.

Ich ging von Anfang an viel mit ihm spazieren. Auch das war anfänglich sehr schwierig. Entweder er ließ sich „nachschleifen“, oder er war völlig aufgelöst und nervös. In beiden Fällen jedenfalls, nicht ganz „anwesend“.

Irgendwie hatte ich einfach sehr lange das Gefühl, nicht wirklich zu ihm durchzudringen.

Er schien auch 2 völlig konträre Seiten in sich zu haben. Einmal war er hochenergetisch,achtsam und sensibelst.

An anderen Tagen hatte ich einen „Rüpel“ gegenüber, der weder sich selbst, noch andere zu spüren schien.

In allen Fällen, wo er abwesend schien, habe ich ihn sofort wieder in Ruhe gelassen.

Also an Tagen, wo er offensichtlich nicht bereit war, mit mir zu kommunizieren, brachte ich ihn wieder zu seinen Freunden.

Irgendwann habe ich begriffen, dass ich aufhören musste, dieses Pferd, welches ich glaubte in ihm zu sehen, hervorkehren zu wollen.

Ich begriff, dass ihn allein der Gedanke, er müsse jemand sein, der er im Moment nicht ist, unheimlich unter Druck setzte.

Ohne es zu wollen, gab ich ihm das Gefühl, er sei nicht genug, so wie er ist.

Ich wollte ihm helfen, zu sein wer er ist, doch damit überforderte ich ihn.

Ich lernte, ihn zu sehen und dafür zu würdigen, wer er ist.

Ich sehe seine Stärken und auch seine Schwächen und ich bewerte es nicht mehr.

Ich bewundere ihn, dieses unbeschreiblich wundervolle Wesen!

In den letzten Jahren hat sich einiges verändert....

Die Phasen, in denen er kommunizieren konnte und wollte wurden länger. Auch seine Konzentrationsfähigkeit wurde besser.

Dennoch hatte ich oft das Gefühl, es fehlte etwas in unserer Verbindung.

Ich glaube, sehr viel hat auch daran gelegen, dass ich mich ihm gegenüber sehr oft zurückgehalten habe, weil ich Angst hatte, ihn zu überfordern, bzw. Angst davor hatte, er würde etwas für mich tun, obwohl er es eigentlich gar nicht will, oder es ihm sogar schadet.

Ich hatte es mit einem Pferd zu tun, welches relativ leicht zu manipulieren war, also relativ leicht zu etwas zu bringen war, dass es eventuell nicht möchte.

Ich war mehrmals an einem Punkt, wo ich mir dachte, vielleicht gibt es einen Menschen, der es leichter hat einen Zugang zu ihm zu finden.

Ich habe mir oft den Kopf darüber zerbrochen, ob er hier bei mir am richtigen Platz ist.

Nicht, weil ich ihn nicht bei mir haben wollte, sondern weil ich das Gefühl hatte, ich konnte ihm nicht „helfen“. Über all die Zeit, war es ihm nicht möglich, sich an meiner Seite zu entfalten.

Ich meine, es ist natürlich sehr viel passiert. Er ist mehr und mehr aus seiner „Starre“ herausgekommen und auch im Umgang mit anderen Pferden wurde er immer authentischer und selbstsicherer.

Dennoch blieb eine große Portion Skepsis zurück.

Ich habe mich bemüht im Vertrauen zu bleiben und ich habe mich bemüht, einfach da zu sein.

Ich habe ihm immer wieder Angebote gemacht, etwas zu unternehmen. Manchmal erfolgreich, manchmal eben weniger erfolgreich.

Aber ich habe aufgehört, es persönlich zu nehmen und ich habe aufgehört etwas von ihm zu fordern.

Ich habe ihn einfach sein gelassen und ihm Zeit gegeben.

Er hat gelernt, stärkere Signale zu senden, wenn er etwas nicht wollte und so konnte ich ihm und seinem Verhalten mehr und mehr vertrauen.

Nach fast 6 gemeinsamen Jahren, habe ich jetzt das Gefühl, er ist angekommen.

Ich habe jetzt das Gefühl, er ist am richtigen Platz.

Nicht, dass ich vorher geglaubt habe, er gehört nicht zur Familie. Ich war mir einfach nicht sicher, ob er hier sein möchte, ob unsere Energien zusammenpassen. Dieses Gefühl, welches ich hatte, ihn ständig zu überfordern, hat mich oft traurig gemacht. Und ich dachte mir, vielleicht würde er sich mit jemandem leichter tun, der eine andere Art von Ausstrahlung hat, als ich.

Nun weiß ich, dass Alles richtig ist, so wie es ist und dass es in den letzten wenigen Wochen und Monaten möglich war, etwas loszulassen, was ihm im Weg stand und auch unseren gemeinsamen Weg verschleierte.

Ich schreibe das hier, weil ich mir denke, dass vielleicht der ein oder andere von euch auch einen Pferdefreund oder eine Pferdefreundin als Gefährten hat, der oder die ähnliche Muster in sich tragen.

Gismo hat einfach diese Zeit gebraucht, um loszulassen.

Und auch für mich waren diese Jahre eine wichtige Zeit, um zu lernen...zu vertrauen,..mich zurück zunehmen... meine Erwartungen loszulassen.. meine Vorstellungen loszulassen, wie sich Beziehung anzufühlen hat...sich dem Tempo des Lebens anzuvertrauen...

Ich glaube ein sehr wesentlicher Punkt hinter dieser Geschichte ist, sein Gegenüber wertzuschätzen, zu bewundern, zu lieben für das Wesen, welches es jetzt in diesem Moment ist.

Mit Allem, was es in sich trägt und mit Allem, was es in diesem Moment nach Außen trägt.

Danke!

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